Kolonie Waldessaum im Radeland e.V.
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Verfasst am 31.03.2022 um 14:20 Uhr

Terra Preta    

Erde, die immer fruchtbar ist    

Der Begriff Terra Preta stammt aus dem Portugiesischen und bedeutet so viel wie dunkle oder schwarze Erde. Diese Erde findet sich im Gebiet des Amazonasbeckens und ist besonders fruchtbar. Terra Preta ist jedoch kein natürliches Phänomen, sondern entstand durch jahrhundertelange Bewirtschaftung der Indios. Sie reicherten den Boden mit einem kompostierten oder fermentierten Gemisch an, das aus verkohlten Pflanzenresten, Dung sowie menschlichen Fäkalien bestand.



Welche Eigenschaften hat Terra Preta?
• Bessere Wasser- und Nährstoffspeicherung
• Besseres Pflanzenwachstum
• Schadstoffe werden im Boden fixiert
• Erhöhung der organischen Substanz
• Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit
• Stickstoff- und CO2-Bindung im Boden
• Boden wird basischer (schlecht für säureliebende Kulturen)
• Zunahme der Mykorrhizen
• Kationen-Bindung/-Austausch
• Bakterien besiedeln die Kohle
• Humusaufbau

Aus was ist Terra Preta aufgebaut?

Der Boden besteht aus einer Mischung von Holz- und Pflanzenkohle, Dung und Kompost und weiteren organischen Bestandteilen. Durch die poröse Struktur verfügt die Kohle über eine große Oberfläche, an der sich Mikroorganismen ansiedeln sowie Wasser und Nährstoffe besser gespeichert werden können.


Wie stellt man Terra Preta her?

Unter anderem geschieht das durch Pyrolyse (thermochemische Spaltung organischer Verbindungen unter Sauerstoffausschluss, es erfolgt keine Verbrennung!).


Aus dem Garten können anfallender Grün-, Hecken- und Baumschnitt verwendet werden. Astschnitt und Stammholz wird zunächst gehäckselt. Das organische Material wird anschließend in einer Karbonisierungsanlage bei Temperaturen zwischen 450 und 600 °C verkohlt. Das hat, verglichen mit der Verbrennung, auch einen klimaschonenden Effekt. Es bleibt mehr Kohlenstoff in der Kohle gebunden. In den Boden eingebracht, kann dieser dann über einen längeren Zeitraum gespeichert werden.


Wie können wir Terra Preta einsetzen?

Wenn Sie Pflanzenkohle im eigenen Garten einsetzen wollen, können Sie diese auch separat kaufen und dem Kompost zumischen. Die gekauften Produkte sollten die Anforderungen des European Biochar Certificate (EBC) entsprechen. Dieses gewährleistet, dass über die Kohle keine Schadstoffe in Boden gelangen.


Grillkohle eignet sich nicht für den Garten. Bei solchen Produkten wissen Sie nichts über die Schadstoffgehalte. Bitte auch keine bereits eingesetzte Grillkohle in die Beete einbringen, weil hier größere Mengen der gesundheitsschädlichen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) entstehen. Diese Stoffe sind für uns krebserregend.


Ein Liter Pflanzenkohle bindet etwa 1,3 kg CO2. Pro Hektar (ha) ließen sich so bis zu 250 t organischer Kohlenstoff langfristig speichern. Das Potenzial der langfristigen Bindung des Kohlenstoffs in der Erde ist noch völlig ungenutzt. Vielleicht können wir damit dem Klimawandel effektiv entgegenwirken.


Sven Wachtmann

Vorstandsmitglied für Fachberatung

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